Festschrift anlässlich des 40jährigen Bestehens
der Kriegsopfersiedlung Nürnberg-Schniegling
am 20. Und 21. Juli 1974

 

 

Grußwort

 

Liebe Siedlerfrauen, liebe Siedlerfreunde!

Seit 40 Jahren besteht unsere Siedlung. 40 Jahre, eine lange Zeit. Lang im Leben eines Menschen, kurz im Leben einer Stadt.

Wenn wir zurückdenken, wie viele Bewohner unserer Siedlung nicht einmal die Hälfte dieser Zeit leben durften, weil sie durch Krieg, Bomben oder Unfälle hinweggerafft worden sind. Und wenn wir bedenken, wie viele Menschen im Raume unserer Siedlung das 80., sogar das 90. Lebensjahr vollenden durften, dann ergreift uns neben einer leisen Trauer auch das Gefühl einer tiefempfundenen Dankbarkeit.

Dankbarkeit unserem kleinen Lebensraum gegenüber, der uns gestattet, sich von der Tageslast zu erholen, der uns erlaubt im Garten Schöpfer von Leben im Kleinen zu sein. Der uns die Möglichkeit gibt, sich schöpferisch und gestaltend zu bewahren und uns den Stolz verleiht, Herr zu sein im eigenen Haus und Garten.

40 Jahre sind ins Leben gegangen. Jeden von uns haben sie geformt und gezeichnet. Und wenn sie hart und mühsam waren, wir möchten sie nicht missen. Ist doch unser Erscheinungsbild nur das Ergebnis der Formung durch das Schicksal und unserer täglichen, kleinen Welt.

Liebe Siedlerfrauen, liebe Siedlerfreunde, was uns das fünfte Jahrzehnt bringen wird, ich weiß es nicht. Ich aber wünsche Ihnen viel Glück und Segen für Ihre Familie, für Haus und Garten.

Und als Vorsitzender der Vorstandschaft wünsch ich mir von Ihnen Verständnis für die Arbeit, Mitarbeit bei Gemeinschaftsaufgaben und Freundschaft mit dem Nachbarn.

Ihr
Karl Hans Wittig – im Juli 1974

 

Rückblick

über die Entstehung der Kriegsopfersiedlung und Weiterentwicklung vom Jahre 1934-1974 Siedlervereinigung Nürnberg-Schniegling e.V.

Schon vor längerer Zeit hatte sich die „gemeinnützliche Kriegersiedlung“ (GKS) mit Sitz in Berlin damit befasst, in Nürnberg eine größere Siedlung für Kriegsbeschädigte, Frontkämpfer und Kinderreiche zu erstellen. Es wurden deshalb lange Zeit mit der Stadt Nürnberg, betreffs Freigabe von Grund und Boden, Verhandlungen geführt. Nach langen Überlegungen hat die Stadt Nürnberg beschlossen, ein umfangreiches Gelände an der Marktäckerstraße, nördlich Schniegling, westlich Wetzendorf, auch dicht an der Fürther Grenze, in Erbbaurecht für dieses Projekt abzugeben, obwohl es ihr bester Grund und Boden war, der ihr zur Verfügung stand. Die GKS mit dem Sitz in Berlin hat sich als Bauträger zur Verfügung gestellt. Im April 1934 war es dann soweit, dass mit diesem großen Projekt begonnen werden konnte. Am 14. April 1934 fand daher eine große Feier, verbunden mit einer Kundgebung, anlässlich des ersten Spatenstichs für den 1. Bauabschnitt „Kriegsopfersiedlung“ von 62 Siedlerstellen statt. Am darauffolgenden Tag wurden mit den Arbeiten sofort begonnen. Von den 62 Siedleranwärtern musste jeder mitarbeiten, oder einen Ersatzmann stellen. Die Bauarbeiten waren bereits an Unternehmer vergeben und organisiert, so dass es mit dem Aufbau sehr schnell vorwärts ging. Nach einem halben Jahr, im Oktober 1934, konnte schon für diese 62 Siedlerstellen das Richtfest gefeiert werden, so dass noch vor Weihnachten, Mitte Dezember, der größte Teil von den anerkannten Bewerbern ihr neues Heim beziehen konnte. Es war bestimmt für jeden einzelnen Bewerber damals das größte Weihnachtsgeschenk seines Lebens, dass er nicht nur ein Haus, sondern 800-900 qm bestes Gartengelände für sich in Anspruch nehmen durfte. Gleichzeitig wurden auch die Straßen berichtigt, Gartenzäune gesetzt, Hecken, Sträucher und Bäume wurden gepflanzt und somit war der 1. Bauabschnitt, die Kriegsopfersiedlung entstanden.

Es waren insgesamt 5 Bauabschnitte vorgesehen. Nach der entstandenen Kriegsopfersiedlung ist aufgrund der schönen Häuschen und Gärten, die nun sehen waren, die Bewerberzahl ins Unendliche gestiegen. Aber leider ist der weitere Fortschritt der Bautätigkeit aus finanziellen Gründen auf längere Zeit zurückgestellt worden.

Erst im Jahre 1937 konnte dann der 2. Bauabschnitt „Dankopfersiedlung“ mit 40 Siedlerstellen in Angriff genommen werden. Selbstverständlich ging auch eine Grundsteinlegung voraus. Die Häuser wurden bis Ende des Jahres 1937 fertiggestellt und bezogen.

Bei diesem Bauabschnitt brauchten die Anwärter nicht mitzuarbeiten, sondern mussten ein Eigenkapital in Höhe von 300 Mark zur Verfügung stellen. Die Siedler erhielten auch Gartengeräte, Bäume, Sträucher und Kleintiere. Der Bauabschnitt Dankopfersiedlung, der auch als „Arbeiterwohnstätten“ anerkannt wurde, war vollendet. Nun waren es bereits 102 Siedlerstellen, die in diesem ebenen, herrlichen Gelände erschlossen waren. Nun war es auch soweit, dass die Straßen gebaut und fertiggestellt werden mussten. Die Straßen wurden auf die Flurnamen der Grundstücke umbenannt und somit entstanden folgende Straßen:

Marktäckerstraße, Leitenfeldstraße, Röthenäckerstraße, Pfandäckerstraße, Raiffeisenstraße, Düppelerstraße, Zur hohen Eiche.

Im Jahre 1938 ging die Bautätigkeit weiter und der Grundstein für weitere zehn Eigenheime wurde gelegt. Die Bewerber für diese Eigenheime müssten zwar ein höheres Eigenkapital aufbringen, konnten dafür aber eine bessere Bauweise und besondere Wünsche beanspruchen. Noch im gleichen Jahr konnten diese zehn Eigenheime bezugsfertig übergeben werden und jeder Bewerber freute sich und war stolz darauf, mit seiner Familie aus dem Gewirbel der Großstadt herauszukommen und hier außen, in Gottes freier Natur zu siedeln.

Der nächste Bauabschnitt war die „Dankopfersiedlung II“, die mit 14 Siedlerstellen vorgesehen war. Aber leider kam im September 1939 der Ausbruch des Krieges dazwischen, so dass jede Bautätigkeit bis auf Weiteres zurückgestellt werden musste. Trotzdem ist es möglich geworden, dass im Jahre 1942 der Rohbau dieser Häuser hergestellt werden konnte und durch die Umstände des Krieges allerdings im Jahre 1944 erst bezugsfertig wurde.

Auch die Spuren des Krieges sind nicht schadlos über unsere Siedlung hinweggegangen, auch der Bombenkrieg ist über uns hereingebrochen. Der schwärzeste Tag unserer Siedlung, bzw. die schwärzeste Nacht, dürfte wohl die vom 25. – 26. Februar 1943 gewesen sein.

Eine englische Maschine hat genau in den Mittelpunkt unserer Siedlung eine Luftmine geworfen, vier Häuser wurden total zerstört und der größte Teil unserer Häuser schwer oder leichter beschädigt. Ein Todesopfer und einige Verletzte waren zu beklagen. Die Ruinen und die Narben an den Häusern waren lange Zeit sichtbare Zeichen des Krieges.

Als 1945 der Krieg endlich zu Ende ging, kamen wir überall, auch bei uns nicht nur schwarze Tage, sondern auch schwarze Jahre. Durch die große Wohnungsnot wurden unsere Siedlerhäuer derart überbelegt, dass manchmal 3-4 Familien die kleinen Räume sich teilen mussten, denn die Einwohnerzahl in unserer Siedlung betrug damals fast 2000 Personen. Lange Jahre hindurch war unsere Siedlung von den Amerikanern beschlagnahmt und von einem Treuhänder verwaltet. Dass es in diesen Jahren nicht aufwärts sondern abwärts ging, da nämlich die Verhältnisse immer schlechter wurden, und für die Siedlergemeinschaft nichts getan werden konnte, war selbstverständlich.

An der hinteren Raiffeisenstraße wurde auch noch Ende des Krieges und nach dem Krieg eine große Anzahl an Behelfsheimen gebaut. Diese Behelfsheime haben sich Ausgebombte und Flüchtlinge in Gemeinschaftsarbeit oder mit Hilfe ihrer Arbeitgeber selber errichtet, denn die Not war groß, jeder half sich, wie er sich ebenhelfen konnte.

Geschäfte gab es bei uns keine, und so vergingen Jahre um Jahre, bis endlich die Amerikaner unsere Siedlung Anfang 1951 wieder freigaben.

Es ging dann wieder aufwärts, weil von dort ab der Freistaat Bayern, in Verbindung mit dem Zentralfinanzamt Nürnberg die Siedlerträgerschaft übernommen hat und noch dazu eine rührige Verwaltung, von den Siedlern gewählt, die Führung in die Hände nahm.

Unter vielen kleinen Problemen waren auch große zu bewältigen, so:

  1. Eine Begehung und Überprüfung sämtlicher Siedlerstellen zur Vorbereitung der rückständigen Übereignung , die durch den langen Krieg verzögert wurde.
  1. Einen Verkehrsanschluss zu fordern, der für viele hunderte Berufstätige ein dringliches Bedürfnis war.
  1. Schaffung oder Neubau einer öffentlichen Gaststätte mit Saal und eines Lebensmittelgeschäftes für unsere geschäftsarme Siedlung.
    Inzwischen wurde durch die Anordnung des Bayrischen Siedlerbundes, Bez. Mittelfranken, dem wir als Mitglied dieser Fachorganisation angehören mussten, unsere Siedlung, d. h. sämtliche Bauabschnitte als „Siedlervereinigung Nürnberg-Schniegling“ zusammengeschlossen.

Von unseren Problemen ist zu berichten:

  1. Die Begehung und Besichtigung sämtlicher Siedlerstellen durch den Siedlungsträger und den Bayrischen Siedlerbund hat zu Erfolg geführt. Allerdings, durch die viele Arbeit und Verhandlungen die hierfür angefallen sind, konnten 64 Siedlerstellen im August 1953 rechts der Leitenfeldstraße übereignet werden. Die zweite Hälfte, links der Leitenfeldstraße, war noch schwieriger. Eine Hypothekenaufteilung mit den Grundbuchämtern und zuständigen Banken hat diese Angelegenheit um einige Jahre verzögert, so dass die Übereignung für die 62 Siedlerstellen links der Leitenfeldstraße erst am 5. Oktober 1957 erfolgen konnte.
    Bis zur Übereignung mussten die Lasten der Häuser in Form einer Miete an den jeweiligen Siedlungsträger abgeführt werden. Nach der Übereignung dagegen wurde jeder einzelne mit der Restfinanzierung seines Hauses hypothekarisch belastet.
  1. Die Forderung eines Verkehrsanschlusses bei der Stadt Nürnberg ist etwas schneller vor sich gegangen, es waren zwar viele und schwierige Verhandlungen notwendig, auch wegen Straßenverbreiterung mit den städt. Dienststellen, bis unsere Forderung anerkannt worden ist. Der erste Start des Omnibusses, Linie 78, fand am 1. November 1953, früh 5.30 Uhr, ab unserer Siedlung bis Brückenstraße statt. Der Fahrer und der Schaffner wurden von unseren Vertretern freudig begrüßt und beschenkt. Auch eine größere Menschenmenge von Berufstätigen hat diese beiden Männer umjubelt, vor Freude, dass sie diese Kilometer bis zur Fuchsstraße oder bis zum Westfriedhof nicht mehr zu Fuß zurücklegen mussten. Die Linie 78 wurde in der verkehrsdichten Zeit bald überlastet. Ein Jahr später kam dann noch in der verkehrsreichen Zeit die Linie 79 über Wetzendorf dazu, mit Endstation in unserer Siedlung, kleine weitere Verbesserungen folgten, so dass diese Verkehrsanbindung nicht mehr wegzudenken wäre.
  1. Die Schaffung oder der Neubau einer öffentlichen Gaststätte mit Saal, Errichtung einer Metzgerei mit Lebensmittelgeschäft. Die Geschäftsarmut unserer Siedlung hat uns dazu bewogen, uns mit diesem Problem zu beschäftigen, denn wir waren nur auf Nachbarortschaften angewiesen.
    Nachdem mit vielen Brauereien viele Verhandlungen vorausgegangen waren, mit Geschäftsunternehmen, städtischen Dienststellen, Liegenschaftsamt, Bauordnungsbehörde und die Vorfinanzierung gesichert war, war es am 1. November 1952 so weit, dieses Projekt anzugreifen.

Der Bauplatz dazu war im Zentrum unserer Siedlung vorhanden, aber er musste erst im Erbbaurecht auf die Siedlervereinigung übertragen werden. Die Siedlervereinigung musste deshalb erst „e. V.“ werden.

Auf diesem Platz aber wurde während des Krieges ein Splittergraben gebaut und mit meterhohem Schutt überschüttet. Zirka 400 m³ Schutt mussten auf Rollgleisen und mit Rollwagen zuerst beseitigt werden. Dann ging es an die Grundsteinlegung unserer Geschäftshäuser, es wurde ein sogenanntes Gemeinschaftswerk. Bis zu 30% der Geschäftshäuser wurden von den Siedlern aus eigener Arbeitskraft erstellt, denn Eigenkapital war keines vorhanden.

Die Fundamente für die Geschäftshäuser wurden ausgeschachtet und einbetoniert. Die Erdarbeiten für einen 300 m langen Schmutzwasserkanal und viele andere Arbeiten, soweit es möglich war, wurden von den Siedlern in Gemeinschaftsarbeit geleistet, so dass ca. 12-13.000 freiwillige Arbeitsstunden angefallen sind.

Diese hohe, freiwillige Arbeitsleistung konnte nur deshalb erzielt werden, weil viele Siedler, ob jung oder alt, uns treu und fleißig zur Seite standen, um das große Risiko, dass wir für dieses 100.000 DM-Projekt eingegangen waren, dadurch zu erleichtern.

Unsere Geschäftspartner, mit denen wir Verträge abgeschlossen hatten, war die Henninger Raifbrauerei Erlangen, die uns eine erste Hypothek besorgte mit 25.000 DM, die Konsumgenossenschaft Nürnberg-Fürth, eine unverzinsliche Mietvorauszahlung mit 25.000 DM , der Metzgermeister Kammermeyer mit einer unverzinslichen Mietvorauszahlung von 22.000 DM, die Erlanger Raifbrauerei mit einem Darlehen von 11.000 DM und noch Aufwendungen für den Saal und die Gaststättenmöbel, Kühlraum und sonstige Einrichtungen in Höhe von 25.000 DM. Am 4./5. Juli 1953 war es dann soweit, dass wir unsere Gaststätte, die wir auf den Namen „Siedlerheim“ tauften, sowie unsere Ladengeschäfte, Lebensmittel und Metzgerei, mit großem Erfolg eröffneten.

Dagegen konnte die Einweihung des Saals wegen noch notwendiger Arbeiten erst am 12. September stattfinden.

Dem ging ein festlicher Abend voraus, selbstverständlich mit Tanz. Die Saaleinweihung war ein gelungenes Fest. Der Saal war überfüllt und die Siedlervereinigung konnte stolz sein, auf ihr vollendetes Werk.

Trotzdem waren immer noch offene Rechnungen vorhanden, weshalb wir uns entschlossen haben, von der städtischen Sparkasse ein kurzfristiges Darlehen in Höhe von 5.000 DM aufzunehmen, wofür die Vorstandsmitglieder Schön – Egerer – Stahl – und Hacker die selbstschuldnerische Bürgschaft übernommen haben.

Die Vorstandsmitglieder während dieser Zeit waren vom April 1951 bis April 1955: Schön, 1. Vorsitzender; Egerer, 2. Vorsitzender; Stahl, Kassier; Seischab-Hacker, Schriftführer; Schmidt, Hüttinger und Frau Hellmuth, Beisitzer.

Im April 1955 hat sich in der Vorstandschaft eine kleine Änderung ergeben: Der 1. Vorsitzende Karl Schön, ist aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden. Er blieb jedoch immer mit der Siedlung verbunden. Bis an sein Lebensende war er Ehrenvorsitzender.

Die Vorstandschaft setzte sich dann zusammen wie folgt: Egerer, 1. Vorsitzender; Hacker, 2. Vorsitzender; Stahl, Kassier; Brein/Lettner, Schriftführer; Springer, Böhm, Wening, Hacker jun. Besitzer.

Trotzdem bisher vieles geschaffen wurde, gab es noch mancherlei Probleme zu lösen. Z. B. bei den beiden Geschäftshäusern fehlte immer noch der Außenputz und eine umfangreiche Vorplatzgestaltung wartete auf ihre Bereinigung. Leider fehlte dazu das nötige Geld. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, bei einer Versammlung an unsere Mitglieder einen Aufruf zu erlassen, für diese dringende Notwendigkeit und für diesen Zweck Sonderleistungen einzuzeichnen, in 5 Monatsraten gleich welchen Beitrag, in Höhe von 10,- DM, darüberhinaus war natürlich keine Grenze. Dieser Aufruf wurde zu einem vollem Erfolg. Es wurde ein Betrag von rund 6.000 DM eingezeichnet und wir konnten unsere Häuser verputzen und unsere Vorplätze mustergültig gestalten. Ein hartes Problem war auch für unsere Behelfsheimsiedler zu lösen: Sie hatten nämlich nur einen Pachtvertrag mit der Stadt auf Ruf und Widerruf mit vierteljährlicher Kündigung und waren in Gefahr, er könnte ihnen eines Tages gekündigt werden.

Mit Unterstützung des Bayrischen Siedlerbundes im Beisein von Herrn Werner, führten wir mit der Stadt zahlreiche Verhandlungen mit dem Erfolg, dass sie bald darauf den Grund und Boden erwerben konnten, den qm für 5,30 DM bzw. 7,60 DM einschließlich Kanalisation.

Am 30. August 1959 konnten wir das 25jährige Bestehen unserer Siedlung in unserem Wirtschaftsgarten festlich begehen. Es waren Vertreter des Bayrischen Siedlerbundes, des Zentralfinanzamtes Nürnberg, des VdK, der Vorstadtverein St. Johannis, der Gesangverein Wetzendorf und der Siedlervereinigung Weißenburg, Eberhardshof und Forchheim anwesend. Es war ein voller Erfolg und ein sehr schöner Festtag. Viele unserer Mitglieder konnten geehrt werden mit den Ehrenzeichen des Bayrischen Siedlerbundes für 25 Jahre Mitgliedschaft. Einige langjährige Mitarbeiter mit dem goldenen Ehrenzeichen.

Auch das 30jährige Bestehen unserer Siedlung konnte am 13. Juni 1964 ebenfalls festlich begangen werden, es waren wiederum viele Gäste, Vertreter und Vereine anwesend. Am selben Abend fand auch ein großer Lampionzug mit Musik für unsere Kinder durch unsere Siedlung statt. Ein weiteres Problem war auch die Kanalisierung für unser gesamtes Siedlungsgebiet. Nach langen Verhandlungen mit der Stadt konnte uns der ehemalige Grundwasserkanal als Hauptkanal zur Verfügung gestellt werden, die Hausanschlüsse konnten dadurch beschleunigt werden, nur einige Strecken mussten noch neu genehmigt werden. Ende des Jahres 1962 war somit unsere ganze Siedlung vollständig kanalisiert.

Inzwischen wurde auf Antrag bei der Oberpostdirektion eine öffentliche Fernsprechstelle im Zentrum unserer Siedlung errichtet.

Ebenfalls auf Antrag wurde in unserer Siedlung von der Stadt Nürnberg auch eine neuzeitliche Beleuchtungsanlage angebracht. Auch unsere Straßen wurden bereinigt, verbreitert, verbessert und ausgebaut, wobei die Raiffeisenstraße ein besonderes Problem war.

Viele kleinere Aufgaben gab es immer wieder zu lösen und durchzuführen und so vergingen Jahre um Jahre. Im April 1969 gab es wieder eine Änderung in der gesamten Vorstandschaft. Konrad Egerer ist als langjähriger erster Vorsitzender aus Altersgründen zurückgetreten. Seine langjährigen Mitarbeiter sind ebenfalls geschlossen zurückgetreten. Es war deshalb notwendig eine neue Vorstandschaft zu wählen. Karl Hans Wittig ist als 1. Vorsitzender mit großer Mehrheit gewählt worden.

Der neue 1. Vorsitzende hat sich sofort mit seinen neuen Mitarbeitern mit ganzer Kraft für die Belange unserer Siedlung eingesetzt. Die fälligen Erneuerungen und Verbesserungen an unseren Geschäftshäusern hat er in Angriff genommen. Weitere und neue Probleme werden folgen. Dabei wäre noch besonders zu erwähnen, dass wir 15 Jahre lang für unsere Mitglieder jährlich Omnibusfahrten organisiert und veranstaltet haben. Ganz besonders vermerken möchten wir die Fahrten nach Ungarn, Straßburg, Venedig, Wien, Holland, Südtirol usw.

Seit 1951, da wir als Siedlervereinigung zusammengeschlossen waren, wurden unsere Mitglieder und Mitgliederfrauen vom 75. Geburtstag an alle 5 Jahre besucht und geehrt. Auch beim 25-, 40- und 50jährigen Ehejubiläum wurden die Familien ebenfalls besucht und geehrt. Ein Ehepaar konnten wir sogar zur diamantenen und eisernen Hochzeit ganz besonders ehren und beglückwünschen. Wir freuen uns, dass wir auch noch mehrere Mitglieder über 80 Jahre, sogar einige über 90 Jahre in unserer Vereinigung unter uns haben.

Dabei möchten wir noch berichten, dass von all denen, die 1934 eingezogen sind, zwar ein gewisser Teil aus besonderen Gründen nach kurzer Zeit ihre Siedlerstelle wieder verlassen hat, so dass heute, unter Berücksichtigung der Verstorbenen, uns nur noch ein kleiner Teil, insgesamt 14 Personen, aufgeteilt in zwei Ehepaare, ein Mitglied und neun Mitgliederfrauen von damals verblieben sind.

Wenn wir nun abschließend über alle Errungenschaften, die in unserer Siedlung in den vielen Jahren vollbracht wurden und die auch kaum eine andere Siedlung im Regierungsbezirk Mittelfranken aufzuweisen hat, Ihnen einen Rückblick zum 40jährigen Bestehen gegeben haben, möchten wir nicht versäumen, allen bisherigen und jetzigen Vorstandsmitgliedern und Mitarbeitern, sowie allen Mitgliedern, Männern und Frauen, für ihre Mithilfe recht herzlich Dank zu sagen. Wir wollen auch nicht vergessen, alle unsere Männer und Jungsiedler, die im letzten Weltkrieg für ihre Heimat und für uns ihr Leben lassen mussten und nicht mehr zu uns zurückkehren konnten. Es war ein hoher Kriegstribut, den unsere Siedlung für den schrecklichen Krieg 1939-1945 bezahlen musste. Es waren 39 Männer im besten und schönsten Alter, die heute auf verschiedenen Kriegsschauplätzen in weit entfernten Ländern in fremder Erde ruhen. Zwei Männer und drei Frauen sind in der Heimat dem Bombenkrieg zum Opfer gefallen. Ihnen sowie auch allen Siedlerkameraden und Siedlerfrauen, die in den vielen Jahren bereits verstorben sind und daher nicht mehr unter uns sein können, wollen wir ein ewiges Andenken bewahren.

Ganz zum Schluss möchten wir noch einen Aufruf erlassen, an alle Mitglieder, an alle Männer und Frauen und ganz besonders an die Jugend, weiterhin mitzuhelfen und mitzuarbeiten, dass diese Errungenschaften, dieses Gemeinschaftswerk, unsere Geschäftshäuser und auch dieser Gemeinschaftsgeist in unserer Siedlung für die kommenden Generationen erhalten bleiben möge.

Verfasst und niedergeschrieben vom langjährigen Vorsitzenden und derzeitigen
Ehrenvorsitzenden Konrad Egerer – im Juli 1974


Veranstaltungen

Sa Okt 20 @19:00 -
Herbstessen
Sa Okt 27 @14:00 -
Kürbisschnitzen für Kinder
So Nov 18 @18:00 -
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Fr Nov 30 @18:00 -
Lichter-Weihnachtsbaum
Sa Dez 01 @16:00 -
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